Klinikum Worms nachtsWer bestimmt am Lebensende?
Autorin: Silvia Matthies
ARD 11. Juni 2012, 23:30 Uhr, 45 Min Später: BR, Phönix, 3Sat, eins-extra, aktualisierte Fassung Phönix August 2014, BR-alpha, YouTube
-Nominiert für den Grimme Preis-

Das Drama beginnt, als Horst L. seine goldene Hochzeit feiert. Beim abendlichen Festessen verschluckt er sich, durch Luftnot kommt es zum Herzstillstand, der 73-Jährige muss reanimiert werden. Horst L. kommt - künstlich beatmet - auf die Intensivstation. Sein Zustand ist zwar lebensbedrohlich, eine Prognose aber schwierig. Umso konsternierter ist die Ehefrau, als der Oberarzt der Intensivstation sie schon am nächsten Morgen vor die Alternative stellt: Abbruch der künstlichen Beatmung oder Organspende. Entsetzt lehnt sie ab, ihr Mann hatte einen ausgeprägten Lebenswillen. Er wollte immer, dass alles für ihn getan wird. In der Folge kommt es zu einem Nervenkrieg zwischen dem Intensivarzt und der Familie. Schließlich drängt der Arzt darauf, dass das Betreuungsgericht das Abstellen der künstlichen Beatmung verfügt. Doch der Richter lehnt ab. Der Fall zeigt exemplarisch das Spannungsfeld zwischen ärztlicher Indikation, den Wertvorstellungen der Familie und den Wünschen des Patienten am Lebensende. Wer entscheidet, ob eine lebenserhaltende Therapie abgebrochen oder weitergeführt wird? Wie sinnvoll ist es, durch den Einsatz der High-Tech-Medizin ein bedrohtes Leben zu verlängern? Ist eine Existenz, die vielleicht im Wachkoma endet, noch lebenswert? Was wiegt schwerer? Das Selbstbestimmungsrecht des Patienten, das Votum der Angehörigen oder das des Arztes? Rechtlich bindend ist in Deutschland der mutmaßliche Wille des Patienten. Und doch geht es auch immer wieder um ganz andere Fragen. Ein Film aus dem Spannungsfeld zwischen Selbst- und Fremdbestimmung am Lebensende und den Herausforderungen eines kaum noch zu finanzierenden Gesundheitswesens.