Wege aus der Atomfalle
Kernfragen der Energiewende
Autorin: Silvia Matthies
ARD-Dokumentation 06.Juli 2011, 23:45 Uhr 45 Min.
Später: BR, Phönix, Eins extra, BR alpha, Youtube

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Harrisburg, Tschernobyl, Fukushima - die Risiken der Kernkraft lassen sich nicht mehr wegdiskutieren. Nach der Katastrophe im Hochtechnologieland Japan hat die Bundesregierung eine radikale Zäsur angekündigt.

Der Ausstieg aus der Kernkraft ist beschlossen und kann ohne immensen Glaubwürdigkeitsverlust nicht mehr rückgängig gemacht werden. Doch dieser Umschwung zieht eine Kettenreaktion von Herausforderungen nach sich: Wie verstärkt Deutschland die Versorgung mit erneuerbaren Energien? Welche Forderungen stellen die Atomkonzerne, denen im Herbst 2010 noch gesetzlich eine Laufzeitverlängerung zugesagt wurde? Und ist die Bevölkerung bereit, die finanziellen und ideellen Kosten der Umstellung zu übernehmen? Gar ihr Konsumverhalten zu verändern?

Wie geht es einer Gemeinde, deren Atomkraftwerk nun vielleicht viel früher abgeschaltet wird als geplant? Die Bürger haben sich in Sicherheit gewiegt. Die Angst vor dem Restrisiko galt als unbegründet. Jetzt sind auch hier diese Zeiten vorbei und im Rückblick fühlen sich viele getäuscht. Dazu kommt die Angst vor Gesundheitsschäden und vor dem Wertverlust ihres Eigentums.

Wie geht es den Nachbarn neuer Windkraftanlagen? Schon melden sich die ersten Anrainer, die gesundheitliche Schäden spüren. Und weitere Proteste richten sich gegen die Naturzerstörung durch Windräder und Hochspannungsmasten. Obwohl viele der Betroffenen den Ausstieg aus der Kernkraft befürworten, lehnen sie die Anlagen für erneuerbare Energie in ihrer näheren Umgebung ab. Ist dies nur das „nimby“-Phänomen - not in my backyard - oder haben diese Menschen handfeste Argumente? Und wie geht der Staat mit diesen Argumenten um? Wie untersucht er die Risiken und Nebenwirkungen?

Was schließlich sind die (gar nicht mal neuen) Konsequenzen für die Energieverbraucher? Das Bistum Eichstätt mit seinem Bischof Gregor Maria Hanke will Vorreiter sein. Dort will man die kirchlichen Häuser und Einrichtungen sofort und konsequent auf erneuerbare Energien umstellen. „Bisher sind regenerative Energien politisch nur wie ‚Schrebergärten‘ behandelt worden“, meint Bischof Hanke. „Das muss anders werden.“

Der Film von Silvia Matthies stellt Fragen: an Politiker, Betreiber, Kirchenleute und Nutzer. Und er zeigt, dass diese Fragen jeden angehen.