Südkurier Konstanz, 13.03.1992

Grauzone

Zündstoff (ZDF) Das verleugnete Gift: Das Thema gefährliche Chemikalien im Alltag (insbesondere Arbeitsalltag) gehört auch heute noch eher zu den Grauzonen ökologischen Problembewusstseins. Was Silvia Matthies in der neuen Sendung der Reihe „Zündstoff“ zu berichten wusste, spottete jeder Beschreibung. Textilien werden bei der Herstellung mit hochgiftigen Substanzen präpariert, eine Deklarationspflicht gibt es nicht.  Arbeiter einer baden-württembergischen Firma erkranken reihenweise – mögliche Ursache: ein bei der Produktion verwendetes Kühlmittel. Ärztliche Sachverständige kommen zu sich gegenseitig widersprechenden  gutachten, beim Bundesgesundheitsamt hat man keine Ahnung, wovon die Rede ist. Kühl und sachlich die Fakten für sich sprechen, gab Stellungnahmen der Betroffenen breiten Raum , schilderte ihren Kampf  um Anerkennung ihrer Leiden als Berufskrankheit.
Ein Musterbeispiel dafür, wie eine Reportage Aufmerksamkeit und Empörung wachrufen kann ohne effekthascherich auf die Sensationsgier der Zuschauer zu spekulieren. Eine Sendung, die ganz sicher nicht ins Spätprogramm gehört, sondern zur besten Sendezeit hätte ausgestrahlt werden müssen.
Norbert Faulhaber                  

 

Eine Kopie der Kritik, wie sie in der Zeitung erschienen ist, liegt vor und kann gerne per E-Mail bei Silvia Matthies angefordert werden.