Nürnberger Zeitung  20.04.1989

Fernsehen kritisch

Enthüllend

Reportage: Ersatzteillager Mensch“ / ZDF. – Ein neuer Geschäftszweig hat sich zwischen zwei Gruppen von notleidenden Menschen angesiedelt: der skrupellose internationale Organhandel. Die Hilflosigkeit vom Tode bedrohter Nierenkranker nutzen halblegale Händler ebenso wie den Druck der in finanzielle Not geratenen aus und streichen mit Hilfe haarsträubender Praktiken riesige Profite ein.

Silvia Matthies zeigt in ihrem sachlichen und gut recherchierten Bericht den Ge- und Missbrauch von Menschen als lebende Ersatzteillager auf. Mit allen journalistischen Finessen wie der Arbeit mit Strohmännern und versteckter Kamera drang sie bis zu den Quellen des Organhandels vor. Und die liegen vor allem in der Dritten Welt.

In Bombay fand die Reporterin heraus, wie die Ärmsten der Armen mit viel Geld und unter Vorspiegelung falscher Tatsachen zur Herausnahme ihrer Nieren veranlasst werden. Mit stillschweigender Absegnung durch die Behörden werden die Organe dann an Europäer, Amerikaner und Araber für mehrere tausend Mark verkauft. Ungefährlich ist das nicht, die Spender können nach der Operation kaum noch einmal arbeiten und die Empfänger tragen das hohe Risiko der Abstoßung des fremden Gewebes durch den eigenen Körper und die Infektionsgefahr. Eine regelrechte Organmafia hat sich in Indien bereits etabliert, in Lateinamerika floriert der Handel mit Kleinkindern als Organspender. Gesetze stehen noch aus und auch in der Bundesrepublik sieht die Regierung in dieser Frage keinen Handlungszwang.

Eine diffizile Frage bleibt die Organspende jedoch auch nach gesetzlichen Regelungen noch. Missbrauch ist auch bei der sogenannten „Hirntodspende“ nicht ausgeschlossen
nico

Eine Kopie der Kritik, wie sie in der Zeitung erschienen ist, liegt vor und kann gerne per E-Mail bei Silvia Matthies angefordert werden.