Mannheimer Morgen 13.03.1992

„Zündstoff“ (ZDF)
Ärzte drehen, wenden und widersprechen sich, medizinische Institute kommen  zu verschiedenen Ergebnissen und die Behörden dementieren. Wie immer,  könnte man sagen, wenn versucht wird, Schlamperei, Ignoranz und Vertuschung mit Einzelschicksalen zu dokumentieren. So auch im Falle von Silvia Matthies „Zündstoff“-Beitrag „Das verleugnete Gift- wie Chemikalienopfer getäuscht werden“.
Drei Personen hat die rigoros zu Werke gehende Autorin ausfindig gemacht, die durch giftige Substanzen  verseucht wurden und erkrankten. Eine Ursache: Der Kontakt mit chemisch behandelten Textilien. Doch bis die Bundesanstalt für Arbeit und die eingeschalteten Ärzte eine Berufskrankheit anerkennen, vergehen Jahre. Da ist es zwar  sehr löblich, dass die Reportage den verantwortlichen auf die Füße tritt und die Pannen offensichtlich macht, aber es bleibt- wie so oft beim Skandaljournalismus-  der fatale Nachgeschmack mangelnder Beweiskraft. Das merkte wohl auch Matthies selbst. Sie suchte jedoch keine Ausflüchte, indem sie auf die Tränendrüse drückte: Information auf Information, intensiviert durch gute filmische Handarbeit, war die richtige Antwort.
ts

Eine Kopie der Kritik, wie sie in der Zeitung erschienen ist, liegt vor und kann gerne per E-Mail bei Silvia Matthies angefordert werden.