Fernsehkritiken in den Printmedien

Frankfurter Rundschau – Kritik: Tod im Reagenzglas

Frankfurter Rundschau vom 27.10.2000

Tod im Reagenz-Glas
Existenz-Fragen

Sylvia Matthies ist für aufklärerischen Journalismus bekannt. Erneut haben sich diese Erwartungen in ihrem jüngsten Beitrag mit dem Untertitel: „Ist die Selektion von Embryonen erlaubt?“ bestätigt. Dies ist umso höher einzuschätzen, weil – um es zurückhaltend auszudrücken- es nach Zahl und Qualität nicht allzu viele Beiträge dieses Schlages im Fernsehen zu sehen gibt. Ganz im Gegensatz zur rasant wachsenden Bedeutung der Biomedizin in der Gesellschaft.

Dieses häufig schwer zu verstehende und sich in vielen Fällen auch der konkreten Anschauung entziehende Thema fernsehgerecht aufzubereiten ist deshalb stets eine besondere Kunst und Herausforderung, die Matthies immer wieder gelingt.

Wenn auch leider erst ab 23:45 Uhr. Sylvia Matthies nahm sich dieses Mal einer der drängendsten Fragen der Biomedizin an – der Selektion von menschlichen Embryonen im Reagenzglas nach einem Gentest. Im Pro und Contra der Argumente- auch wenn die Autorin ihre eigene skeptische Haltung nicht verbarg- konnte der Zuschauer gut seine eigene Haltung überprüfen oder ausbilden.

Zu den Eigenschaften der Matthiesschen Beiträge gehört auch, dass sie nichts verschleiern , sondern sich einer klaren und präzisen Sprache bedienen. Wenn bei der künstlichen Befruchtung erzeugte Reagenzglas-Embryonen erst genetisch untersucht und entweder weggeworfen oder einer Frau übertragen werden, ist dies nichts anderes als Selektion. Dies, macht Matthies klar, muss man sich eingestehen. Ob man die Auslese von nicht als normgerecht empfundenen Leben will, kann nur auf dieser Basis entschieden werden.

Sylvia Matthies diskutiert biomedizinische Themen nicht aus der engen und einseitigen naturwissenschaftlichen Perspektive. Sie bindet vielmehr individuelle Ansprüche von Eltern und Patienten mit der gesellschaftsverändernden Kraft neuer Technologien zusammen, wägt sie gegeneinander ab und legt großen Wert auf die Debatte der sozialen Folgen.

Wohin dieses führt, ist klar: Zur Ausmusterung behinderten Lebens aus der Gesellschaft , zum Verständnis von Babys als unwägbarem genetischen Risiko, wenn sie natürlich entstehen- und zum qualitätsgesichertem Produkt Kind.

Mit mehr Mut zum besseren Sendeplatz hätten mehr Menschen etwas von dieser existenziellen Auseinandersetzung haben können.

Michael Emmrich

Eine Kopie der Kritik, wie sie in der Zeitung erschienen ist, liegt vor und kann gerne per E-Mail bei Silvia Matthies angefordert werden.

Evangelische Presseagentur – Kritik: Risiko Kind

Evangelische Presseagentur (epd) 01.04.2011

Guter Journalismus
Risiko Kind- wohin führt die PID

Buch und Regie: Silvia Matthies
ARD/BR, 16.3.11

epd Schon die ersten Bilder illustrieren, dass es um einen weitreichenden Konflikt geht: „der Traum vom gesunden Kind……“ hebt der Kommentar an und die Bilder zeigen in eiskaltes Blau getauchte Reagenzgläser. In einem gläsernen Aufzug erscheint eine junge Frau, die am Marfan-Syndrom leidet. Trotz ihres Handicaps , darunter schon zwei Herzoperationen, möchte sie ihr Leben nicht missen, will ihre Träume verwirklichen. Der gläserne Aufzug steht auch als Symbol dafür, dass die umstrittene Präimplantationsdiagnostik (PID) die Menschen gläsern macht, Menschen mit Behinderungen wieder als unwertes Leben erscheinen lässt.
Eigentlich sollte der Film  der Autorin Silvia Matthies am Vorabend einer geplanten Bundestagsdebatte über die rechtliche Regelung der PID gezeigt werden -und das schon zu einer ärgerlich späten Sendezeit  um 23.30. als ob solche brisanten gesellschaftlichen Grundkonflikte wären als die zur Primetime ausgestrahlten Unterhaltungssendungen. Doch mit den Katastrophenmeldungen aus Japan  wurde nicht nur die Bundestagsdebatte auf den 7. April vertagt, auch die Doku wurde nach hinten verschoben – auf 0.20 Uhr, mit Überziehung der vorausgegangenen Sendungen wurde es dann 0.50 Uhr, und es stellt sich die Frage, ob dieser Sendetermin im Sinne des öffentlich-rechtlichen Informationsauftrages noch zu verantworten ist – zumal die Dokumentation nicht nachträglich in der ARD-Mediathek abrufbar ist. Der Beitrag sei zu spät fertig geworden, heiß es beim BR. (Anmerkung des Autors: „Das stimmt definitiv nicht………“)
Ein Jammer, denn Matthies gelang eine Dokumentation, die das äußerst komplexe, wissenschaftlich, ethisch und menschlich problematische Thema auf ebenso nüchterne wie präzise Weise darstellte. Die gewählten Fallbeispiele machten deutlich, dass die Hoffnung auf klare Urteile ein „Irrwahn“ ist, wie es Frank Montgomery, Vizepräsident der Deutschen Ärztekammer formulierte. Das zeigte Matthies an Biographien, die die ganze Tragik der Fragestellung deutlich machen: ein Gynäkologin, die zwei gesunde und ein behindertes Kind hat, votiert für die PID – wohl wissend, dass sie als Trägerin des Gendefekts bei der PID selbst „aussortiert“ worden wäre. PID, damit verbindet sich die Gewissensfrage, ob man im Reagenzglas gezeugte Embryos vor dem einpflanzen in den Mutterleib auf Erbkrankheiten untersuchen sollte, um dann defektes Leben zu verhindern. Mit der Methode verbunden sei ein unhaltbares Heilsversprechen, argumentiert Katrin Göring-Eckardt, Wortführerin der PID-Gegner im Bundestag. Ohnehin seien nur drei Prozent aller Behinderungen vorgeburtlich feststellbar.
Dagegen hält der Sprecher der PID-Befürworter, Peter Hintze. Um Einzelfälle  gehe es und darum, Schwangeren einen Gewissenskonflikt bei der Spätabtreibung zu ersparen. Es solle nicht über Art und Schwere der Krankheit ein Werturteil gefällt werden. Wie weit die Enden der Diskussion bereits auseinandertreiben, zeigen die Beispiele aus England, wo per Gendiagnostik mehr als 400 Defekte identifiziert werden können, und das im Gegensatz dazu proklamierte „Recht auf Nichtwissen“, das auch viele Eltern der bereits  zur Regeluntersuchung gewordenen Pränataldiagnostik für sich beanspruchen.
Die Autorin macht es ihren Zuschauern nicht leicht. Sie führt sie nicht mit klugen Kommentaren an der Leine durch das Labyrinth der Argumente, sondern stellt diese einfach dar. Mit allen Konfliktsituationen, wie der einer Familie mit einem Down-Syndrom-Kind, die trotzdem die PID befürworten. Eine solche langfristige Verantwortung könne er bei einem weiteren Kind nicht tragen, sagt der Vater. Die Mutter eines anderen Down-Kindes sagt, man habe es bei der Geburtsdiagnostik „monstermäßig dargestellt“,  mit Herzschwäche, Klumpfuß und einer möglichen Totgeburt. Heute sehen sich die beiden zusammen gerne Operfilme an und lächeln einander zu.
Neben Ethik gibt es auch den Kommerz. Hinter dem Euphemismus „Family Blancing“ steht in den USA die Vorauswahl des Geschlechtes, da ist es nicht weit zum Designerbaby nach Wunsch. Dieser schönen neuen Welt a´ la Huxely tritt die evangelische Bischöfin Susanne Breit-Keßler entgegen. Leid anzunehmen gehöre zum Leben, lasse die Menschen barmherziger werden.
Obwohl Matthies` Dokumentation deutliche Skepsis gegenüber der PID anklingen lässt, ist sie alles andere als voreingenommen. Die Fähigkeit, den richtigen Leuten präzise Fragen zu stellen, macht guten Journalismus aus. Matthies geht weiter, zeigt, dass die gute Absicht durchaus der erste Schritt ins Unheil sein kann. Dazu passt die betont nüchterne Dramaturgie, die es erfreulicherweise vermeidet, Bilder von lächelnden Babys und Behinderten zu kontrastieren.  Gezeigt werden einfach nur Menschen in Interview-Situationen – Bilder, die nicht ablenken von den Aussagen.
Dieter Deul

Eine Kopie der Kritik, wie sie in der Zeitung erschienen ist, liegt vor und kann gerne per E-Mail bei Silvia Matthies angefordert werden.

Süddeutsche Zeitung – Die Meinung des Kritikers: Ersatzteillager Mensch

Süddeutsche Zeitung München 20.04.1989

Die Meinung des Kritikers
Organbank der Reichen
Reportage: Ersatzteillager Mensch? (ZDF)

Der Handel mit menschlichen Organen ist bei uns nicht verboten. Auf Anfrage der Bundestagsfraktion der Grünen erklärte die Bundesregierung, dass sie einen Handlungsbedarf in diesem Bereich derzeit nicht sehe. Silvia Matthies setzte sich mit der gesamten Problematik auseinander, und was sie recherchierte, hatte einen Organkrimi zur Folge, der dem Zuschauer gehörig an die Nieren ging. Von denen hat man in der Regel zwei und ist schlimm dran, wenn sie nicht funktionieren. Oft ist eine Transplantation die einzige Rettung für Nierenkranke. Die Reportage zeigte, wie mangels Spendernieren die Slums von Bombay zum Beispiel zur „Organbank der Reichen“ werden. Wie die tatsächliche Not aus dem Augenwinkel der Organhändler Menschen zum ausschlachtbaren Ersatzlager machen.
Da verschickt in der Bundesrepublik ein Organhändler 8000 Briefe an Leute, die verschuldet sind, und 500 schreiben zurück, dass sie angesichts ihrer Lage zu einer Organspende bereit seien. Doch nicht allein das machte den Bericht von Silvia Matthies so haarsträubend. Auch die Diskussionen darüber, wann ein Mensch tot genug ist, um ihm Organe zu entnehmen, zeigte, dass wir mit der Definition des Hirntodes eine eher organempfängerfreundliche Bestimmung getroffen haben.
So waren vor allem die Verhältnisse in Indien, die Situation der Armen dort, die die ethische Dimension des Organhandels offen legten. Hier ist wohl wirklich Handlungsbedarf angezeigt.
Frank Scheller

Eine Kopie der Kritik, wie sie in der Zeitung erschienen ist, liegt vor und kann gerne per E-Mail bei Silvia Matthies angefordert werden.

TAZ – Standbild: Ersatzteillager Mensch

Taz Berlin 21.04.1989

S T A N D B I L D

Enthüllungsjournalismus at its best

Ersatzteillager Mensch, ein Bericht von Sylvia Matthies, Di 18.4. 19.30 Uhr, ZDF

Ahnungslose junge Inder werden unter Vorwänden ins Krankenhaus geschleust. Beim Aufwachen aus der Narkose haben sie meist eine Niere weniger und ein paar tausend Mark mehr. Doch die reichen nicht lange, denn mangels medizinischer Versorgung bleiben viele für den Rest des Lebens arbeitsunfähig. Das ist nicht etwa Stoff eines neuen Horrorfilms, sondern die nackte Realität in Bombay. Und nicht nur dort. Denn der Handel mit Organen ist nirgendwo gesetzlich geregelt. Und freiwillige Spender lassen sich von hohen Summen locken.  
Ungestraft dürfen den Spendern dabei gesundheitliche Risiken verschwiegen werden, niemand ist verantwortlich, wenn die gespendeten Organe vom Körper des Empfängers wieder abgestoßen werden. Nur die Dealer verdienen sich eine goldene Nase. Silvia Matthies täuschte Kaufinteresse vor und ging dem skrupellosen Geschäft in der Bundesrepublik und in Indien nach. Gefilmt wurde aus dem Koffer und, wenn es gar nicht anders ging, lief wenigstens das Tonband mit. Systematisch ertastet sie den rechtsfreien Raum, stößt an keine Grenzen.
Die Entscheidung darüber, ob ein Mensch tot ist, nur weil seine Gehirnfunktionen erloschen sind, obliegt allein dem Arzt. „Hirntoten“ werden gerne Organe entnommen, weil der Körper noch künstlich am Leben gehalten werden kann. Sylvia Matthies spricht mit einem britischen Spezialisten. Er berichtet von einem Fall, bei dem eine hirntote Schwangere noch siebeneinhalb Wochen weiterlebte und ein lebendes Kind zur Welt brachte. Wo liegen die Grenzen zwischen Ethik, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Interessen? Abgründe tun sich hier auf.
Immer wieder gibt es Gerüchte darüber, was mit abgetriebenen Föten  geschieht. Eine Plastikdose in Großaufnahme. Das, was darin liegt und aussieht wie ein Stück Stoff, ist ein frisch abgetriebener Fötus. Der Schweizer Arzt Samuel Stutz hat ihn von einem deutschen Gynäkologen für 500 DM gekauft. Auch Embryonen habe er ihm angeboten. Die Frauen wissen natürlich nichts davon.
Es ist unglaublich. Dieselben Männer, die Abtreibung kriminalisieren, drücken beide Augen zu, wenn es darum geht, aus der Qual der Frauen auch noch Profit zu schlagen. Gerissene Ärzte lassen sich gleich doppelt entlohnen.
Politisch, medizinisch, moralisch und ethisch gibt es hier, unter einer dünnen Kruste von Ignoranz, einen einzigen Sumpf. Sylvia Matthies hat ein Loch hineingeschlagen. Öffentlich-rechtlich, zu guter Sendezeit. Das kann, das darf nicht folgenlos bleiben.
Petra Kohse

Eine Kopie der Kritik, wie sie in der Zeitung erschienen ist, liegt vor und kann gerne per E-Mail bei Silvia Matthies angefordert werden.

Ärzte-Zeitung – TV-Kritik: Ersatzteillager Mensch

Ärzte-Zeitung  20.04.1989

TV-Kritik / „Ersatzteillager Mensch“ im ZDF

Wie skrupellose Organhändler die Ware an den Mann bringen

Berichte über kommerziellen Organhandel, sie finden sich mitunter in der Boulevard-Presse, haben meistens einen reißerischen Beigeschmack. Eine rühmliche Ausnahme bildete am Montag im ZDF die Reportage „Ersatzteillager Mensch“ von Silvia Matthies.  Detaillierte Recherchen der Autorin bestätigen lange geäußerte Vermutungen, die vom Auswärtigen Amt  unter Hinweis auf nicht vorhandene Botschaftsberichte stets als als Sensationsberichte abgetan wurden: In Deutschland gibt es einen schwunghaften Handel mit Organen von Spendern aus der Dritten Welt. Aber auch Bundesbürger verkaufen ihre Niere.
Der Bericht ließ keine Spekulationen über die Motive der „Verkäufer“ hierzulande oder in Indien zu. Grund für die Spende ist stets wirtschaftliche Not. Erschütternd die freimütige Aussage eines Organ-Maklers über seine Beschaffungsmethoden: Datenbanken der Kreditinstitute und Schuldnerverzeichnisse der Gerichte lassen erkennen, wem das „Wasser bis zum Hals steht“. Skrupellose Geschäftemacher nutzen diese Situation gnadenlos aus.
Gesundheitliche Folgen spielen keine Rolle.
Unter den Drahtziehern bekannte Figuren: der zwielichtige Rechtsanwalt, der im Ausland agierende deutsche Arzt und der Import-Export-Kaufmann. Warum kann ihnen niemand das Handwerk legen? Es fehlt dafür an rechtlichen Grundlagen.
Nach dieser eindrucksvollen Reportage sind die deutschen Behörden gefordert: Sie können dem widerwärtigen Treiben nicht länger tatenlos zusehen.
Jürgen Becker

Eine Kopie der Kritik, wie sie in der Zeitung erschienen ist, liegt vor und kann gerne per E-Mail bei Silvia Matthies angefordert werden.

Badische Zeitung – Die Fernsehkritik: Ersatzteillager Mensch

Badische Zeitung 20.04.1989

Die Fernsehkritik
Horrorkabinett
Ersatzteillager Mensch (ZDF)

Was bitteschön darf es sein? Ein Adelstitel, ein Baby aus der Dritten Welt oder eine Niere: Für skrupellose Profiteure ist der schwunghafte Gemischtwarenhandel „ein Geschäft wie jedes andere auch.“ In der Bundesrepublik bewegen sie sich, was den Organverkauf betrifft, in einem rechtsfreien Raum. Ihre Praktiken freilich sind mehr als nur moralisch zweifelhaft.
Silvia Matthies besichtigte in ihrer glänzend recherchierten Reportage den freien Markt für Organe, Föten und lebendiges Gewebe.
Ein Blick in das Horrorkabinett gnadenloser Profitgier. Und in ein gesetzliches Niemandsland, der nicht nur die Machenschaften Einzelner, sondern auch die Praktiken der medizinischen und gentechnologischen Forschung an den Pranger stellte: „Abtreibungsmaterial“ und  Frühgeburten  werden in der Bundesrepublik „ wie frische Brötchen über den Ladentisch geschoben.“ Die Bundesregierung sieht für die gentechnologischen Versuche an lebenden Föten „ gesetzlich derzeit keinen Handlungsbedarf“.
Der Handel mit Organen und Geweben freilich sprengt nicht nur hierzulande die Grenzen ethischer Verantwortbarkeit, er ist vor allem in den Ländern der Dritten Welt ein grenzenloser Markt krimineller Ausbeutung. Rekrutiert ein Hamburger Organverkäufer aus der Schuldenkartei („Die sind sowieso nah am Selbstmord“), so werden die Menschen kurz vor dem Hungertod in Indien beispielsweise gar nicht erst gefragt. Silvia Matthies recherchierte mit ihrem Team ( und versteckter Kamera) vor Ort und entdeckte in den Slums von Bombay „eine riesige Organbank“.
Mit von der Partie ist der Filz aus Bürokratie, Krankenhäusern, Pharmaindustrie und Mafia. Daß zudem in den Ländern Lateinamerikas schon Kinder als „Ersatzteillager“ für den reichen Westen im wahrsten Sinne des Wortes ausgenommen werden, gehört zu jenen Tatsachen, die ( nicht nur) die US-amerikanische Regierung bis heute schlicht verleugnet. Der zeitgenössische Kolonialismus hält sich an die lebendigen Ressourcen.
Die betont sachliche Reportage, die in erster Linie Betroffene, Bilder und Fakten sprechen ließ, führte einmal mehr vor Augen, wie sich die Regierenden aus der Verantwortung stehlen, wenn technischer Fortschritt und Profitgier lukrative Allianzen eingehen.

Eine Kopie der Kritik, wie sie in der Zeitung erschienen ist, liegt vor und kann gerne per E-Mail bei Silvia Matthies angefordert werden.

Mannheimer Morgen – Kritisch ferngesehen: Ersatzteillager Mensch

Mannheimer Morgen 20.04.1989

Kritisch ferngesehen

„Die Reportage“ (ZDF)

Horrorvisionen beschwor diese fast schmerzhaft eindringliche Reportage von Silvia Matthies herauf. 45 Minuten lang begleitete  der Zuschauer sie durch einen Alptraum:  Arme Menschen, von eiskalten Geschäftemachern zur Organspende gezwungen und als Höhepunkt der Perversion Kinder, die als „menschliche Ersatzteillager“ im Handel sind – dem Grauen war kein Ende gesetzt. Die Reporterin hat sich offensichtlich mit ganzem Herzen auf das Problem gestürzt und an Ort und Stelle das Unglaubliche recherchiert. Immer wieder gaben Zeugen und  Fachleute Auskunft, produzierten sich eiskalte Händler vor der versteckten Kamera. Wer diesen Film gesehen hat, der wird auch zahlreichen bundesdeutschen Medizinern nicht glauben können, die auf der einen Seite das ungeborene Leben schützen wollen, auf der anderen Seite ohne jeden Skrupel abgetriebene Föten und Embryonen zu Forschungszwecken freigeben. Gottlob aber denkt die Mehrheit der Ärzte sicher anders. An ihr, den Politikern und der Öffentlichkeit ist es nun, dem schrecklichen Treiben ein Ende zu setzen. Der Film könnte den Anstoß dazu gegeben haben.

Eine Kopie der Kritik, wie sie in der Zeitung erschienen ist, liegt vor und kann gerne per E-Mail bei Silvia Matthies angefordert werden.

Mittelbayerische Zeitung – Kritisch gesehen: Ersatzteillager Mensch

Mittelbayerische Zeitung Regensburg 20. April 1989

Kritisch gesehen
Makabre Entwicklung

Vor einigen Jahren ist im deutschen Fernsehen ein aufregender Thriller gelaufen, in dem geschildert wurde, wie Menschen gejagt und eingefangen wurden, denen man dann die Organe entnahm,  um sie an reiche Patienten zu verscherbeln. Das war damals Science Fiction in höchster Potenz. Heute hat die Wirklichkeit die Fantasie wieder einmal eingeholt, ja überholt. Was Silvia Matthies in ihrer sehr gründlich recherchierten Reportage „Ersatzteillager Mensch“ am Dienstag  im ZDF über die bereits etablierte internationale Organ-Mafia zu berichten wusste, war dazu angetan, das Blut in den Adern gefrieren zu lassen. Hier wird die Not junger Menschen in der Dritten Welt skrupellos ausgenutzt, sie geben für Geld ihre Niere, ihre Gesundheit, ja oft ihr Leben hin. Das Schlimmste dabei ist aber, dass die Ganoven sich in einem rechtsfreien Raum bewegen, denn die Gesetzgeber hinken überall der rasanten Entwicklung hinterher, die von den Fortschritten der Transplantationsmedizin eingeleitet wurde.
In diesem Zusammenhang war die Autorin auch in Deutschland Gerüchten nachgegangen, die etwas von einem Handel mit abgetriebenen Föten  wissen wollten. Auch das erwies sich als wahr, denn  mit dem Gewebe von Ungeborenen lässt sich medizinisch einiges anfangen. Der Justiz und der Executive sind aber die Hände gebunden, denn solcher Handel ist bislang nicht verboten und die ethische Hemmschwelle scheint bei manchen Leuten recht niedrig zu liegen.  Für die Politiker aller Couleurs besteht also ein riesiger Nachholbedarf um hier makabren Entwicklungen endlich einen Riegel vorzuschieben.
pk

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Nürnberger Zeitung – Fernsehen kritisch: Ersatzteillager Mensch

Nürnberger Zeitung  20.04.1989

Fernsehen kritisch

Enthüllend

Reportage: Ersatzteillager Mensch“ / ZDF. – Ein neuer Geschäftszweig hat sich zwischen zwei Gruppen von notleidenden Menschen angesiedelt: der skrupellose internationale Organhandel. Die Hilflosigkeit vom Tode bedrohter Nierenkranker nutzen halblegale Händler ebenso wie den Druck der in finanzielle Not geratenen aus und streichen mit Hilfe haarsträubender Praktiken riesige Profite ein.

Silvia Matthies zeigt in ihrem sachlichen und gut recherchierten Bericht den Ge- und Missbrauch von Menschen als lebende Ersatzteillager auf. Mit allen journalistischen Finessen wie der Arbeit mit Strohmännern und versteckter Kamera drang sie bis zu den Quellen des Organhandels vor. Und die liegen vor allem in der Dritten Welt.

In Bombay fand die Reporterin heraus, wie die Ärmsten der Armen mit viel Geld und unter Vorspiegelung falscher Tatsachen zur Herausnahme ihrer Nieren veranlasst werden. Mit stillschweigender Absegnung durch die Behörden werden die Organe dann an Europäer, Amerikaner und Araber für mehrere tausend Mark verkauft. Ungefährlich ist das nicht, die Spender können nach der Operation kaum noch einmal arbeiten und die Empfänger tragen das hohe Risiko der Abstoßung des fremden Gewebes durch den eigenen Körper und die Infektionsgefahr. Eine regelrechte Organmafia hat sich in Indien bereits etabliert, in Lateinamerika floriert der Handel mit Kleinkindern als Organspender. Gesetze stehen noch aus und auch in der Bundesrepublik sieht die Regierung in dieser Frage keinen Handlungszwang.

Eine diffizile Frage bleibt die Organspende jedoch auch nach gesetzlichen Regelungen noch. Missbrauch ist auch bei der sogenannten „Hirntodspende“ nicht ausgeschlossen
nico

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Wiesbadener Kurier – Kritisch betrachtet: Ersatzteillager Mensch

Wiesbadener Kurier 20.04.1989

Kritisch betrachtet

Die Reportage: Ersatzteillager Mensch? (ZDF): Vor ein paar Jahren gab es einen Science -Fiction-Film von Rainer Erler, der genau das zum Thema hatte: Organhandel. Damals noch lautstark und entrüstet als Panikmache abgetan, ist diese schreckliche Zukunftsvision längst praktizierte Wirklichkeit geworden, wie die mit massiven Fakten aufwartende Reportage von Silvia Matthies zeigte.

Silvia Matthies hatte es nicht einmal besonders schwer, an Organhändler heranzukommen und sie (vor versteckter Kamera) ihr „Angebot“ unterbreiten zu lassen. Werder hier in der Bundesrepublik, noch in Indien, wo Organ“Spender“ systematisch eingefangen werden, und wo es genug florierende Kliniken gibt, die zur Transplantation bereit stehen. Begehrtestes Organhandelsobjekt sind menschliche Nieren – eine Reportage die wahrhaft an die Nieren ging.
                                                                                                                     
Hellmut A. Lange

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Hamburger Abendblatt – Kritik: Alles ist möglich

Hamburger Abendblatt 18.05.2001

TV-Kritik

Alles ist möglich

(Mittwoch, ARD)

Brisantes Thema. Man ahnt nur in Umrissen, was sich hinter dem Stichwort Biopolitik verbirgt: Manipulation und Instrumentalisierung von Embryonen. Kern- und Gewissensfrage unserer Gesellschaft – soll die Wissenschaft freie Hand bekommen für den optimierten Menschen? Silvia Matthies hat mit kritischem Engagement versucht, Klarheit im Gewirr schwer abgrenzbarer Begriffe und Eingriffe zu schaffen. Heftig gestritten wird allenthalben über therapeutisches klonen, Präimplantations-Diagnostik, Menschenwürde und Grundgesetz.Erschreckend die Aussagen junger Mütter über Fehldiagnosen. Oft wurden aus „genetisch belasteten“ Föten gesunde Kinder, lebensfroh, trotz Behinderung. Scharf kontrovers die Bewertungen der aktuellen Bioethik-Debatte durch Mediziner, Vertreter der Kirchen und Behinderten-Verbände. Geballte Information.
Günther Wolf

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Frankfurter Rundschau – Kritik: Mörderische Diagnose

Frankfurter Rundschau 20.03.1999

Die Kritik

Mörderische Diagnose (ARD)

Gut belegt

Der Titel unterscheidet sich im reißerischen Ton kaum von den unzähligen Krimiserien, die den lieben langen Abend auf diversen Kanälen  ausgestrahlt werden.
Glücklicherweise hält der Titel nicht, was der Inhalt verspricht. Silvia Matthies hat sich wieder einmal mit einem brisanten medizin-ethischen Thema befasst und seine Auswirkungen auf das gesellschaftliche zusammenleben beleuchtet. Diesmal ging es um die sogenannten Spätabtreibungen von behinderten Föten. Denn mit der Gesetzesänderung zum Schwangerschaftsabbruch kann heute praktisch bis zum letzten Tag vor der Geburt abgetrieben werden. Ein Problem, das viele Politiker bei der Erarbeitung der Gesetze nicht gesehen haben – oder nicht sehen wollten.
Matthies zeigt in ihrem Beitrag eindringlich, in welche Konflikte Eltern, aber auch Ärzte geraten und wie sich in der Gesellschaft ein zunehmend inhumanes Klima gegenüber behindertem Leben breit gemacht hat. „Die vorgeburtliche Rasterfahndung“ führt dazu, belegt Matthies, dass die „Existenz behinderten Lebens nicht mehr erwünscht ist.“
Die Autorin führt zugleich vor, dass diese Tendenz zur Selektion nicht normgerechten Lebens verschiedene Ursachen hat. Sie ist begründet in dem Wunsch vieler Eltern, ein makelloses Kind zu bekommen; in dem Streben der Industrie, den Markt für vorgeburtliche Tests auszuweiten: in der Sicht von zahlreichen Medizinern, kein behindertes Kind zuzulassen; in Politikern, die die Augen verschließen und nicht zuletzt in Gerichtsurteilen, die die Geburt behinderter Kinder als „vermeidbaren Schaden“ bezeichnen.
Dabei, das macht Matthies klar, ist dies erst der Anfang. Mit der zunehmenden Entschlüsselung der Gene wird der Mensch immer mehr Wissen darüber erhalten, welche Krankheitsanlagen er besitzt, und er wird in vielen Fällen voraussagen können, wann ein Mensch in seinem Leben an einer Krankheit leiden wird. Mit Vorsorge hat dies meist  wenig zu tun, denn die Therapie heißt oft Abtreibung. Es geht also, unterstreicht Silvia Matthies, um Selektion. Der Verdienst der Autorin ist es unzweifelhaft, auf solche den humanen Bestand unserer Gesellschaft gefährdende Tendenzen aufmerksam zu machen. Denn sie weist schlüssig nach: Wir befinden uns zur Zeit mitten drin in einer neuen Debatte um lebensunwertes Leben.
Michael Emmrich

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Badische Zeitung – Kritik: Nervenkrieg am Sterbebett

Badische Zeitung 15.03.97

Rückschau

Wie tot sind Hirntote?

Zündstoff: Nervenkrieg am Sterbebett (ZDF)

Der Fall ist empörend. Pfingsten 1995 wird Hannelore Balds Lebensgefährte mit einer Hirnblutung ins Aachener Klinikum eingeliefert. Kurz darauf steht für den behandelnden Arzt fest: Hirntod. Nun beginnt das, was die Autorin „Nervenkrieg am Sterbebett“ genannt hat. Der junge Mediziner, bar jeden Gefühls für die Seelenlage der noch nicht Hinterbliebenen, versucht ihr mit allen Mitteln die Zustimmung zu einer Organspende abzupressen. Als sie bei ihrem Nein bleibt, schaltet der Arzt die Geräte ab. Der Hirntote öffnet die Augen, hebt den Arm. „Was macht Ihr mit ihm?“ entfährt es Hannelore Bald.

Wie tot sind Hirntote? Diese Frage steht im Zentrum der Diskussionen um das Transplantationsgesetz, das der Bundestag demnächst verabschieden will. Silvia Matthies Beitrag zum Thema bezog klar und entschieden Position: gegen die Organentnahme bei Menschen, deren Gehirnfunktionen ausgefallen sind, deren Herz aber- dank der modernen Apparatemedizin- noch schlägt. Ein Mediziner brachte seine „ganz anderen Gefühle, als wenn jemand tot ist“ ins Spiel. Auch Justizminister Schmidt-Jortzig sprach sich gegen die sogenannte „erweiterte Zustimmungslösung“ aus. Es zeigte sich hier das Dilemma der modernen Medizin. Einerseits hat sie Methoden entwickelt, die ein Leben ohne Bewusstsein auf Jahre verlängern können. Anderseits braucht die Transplantationschirurgie immer mehr Organe- zumal es sich, auch das ließ der Bericht nicht unerwähnt- um einen „Wachstumsmarkt“ handelt. Allein Sandoz macht mit Immunsuppressiva einen Milliardenumsatz.

Kein Wunder, dass das Unternehmen Leitlinien zur Überzeugungsarbeit an Angehörigen ausgibt. Daneben nahm sich die Meinung eines Transplantierten, der sich in der Sendung äußerte, rührend altmodisch aus: eine Spende kann nur freiwillig sein. Sonst ist sie keine.
Bettina Schulte

Eine Kopie der Kritik, wie sie in der Zeitung erschienen ist, liegt vor und kann gerne per E-Mail bei Silvia Matthies angefordert werden.

Frankfurter Rundschau – Kritik: Nervenkrieg am Sterbebett

Frankfurter Rundschau 17.03.97

„Ersatzteillager Mensch“ (Hessen-Fernsehen) / „Nervenkrieg am Sterbebett“ (ZDF)

Misslungen – Gelungen

Ganz anders dagegen war der ZDF-Beitrag von Silvia Matthies aufgebaut. Bewusst auf das Wesentliche konzentriert, zeigte er die Emotionen auf beiden Seiten, bei Ärzten und bei Angehörigen, wenn um die Organentnahme gerungen wird. Und Matthies machte auch deutlich, dass es dabei nicht nur um Nächstenliebe sondern auch um einen boomenden, milliardenschweren Markt geht, wo Ethik und Monetik nah beieinanderliegen. Der Filmbericht war deshalb auch Plädoyer für mehr Aufrichtigkeit in der Debatte und weckte das Bewusstsein für die Gefahren, die in der Gleichsetzung von Hirntod und Tod liegen können, und für die Folgen, wann die Idee einer wirklichen Spende so pervertiert wird, dass der Bedarf an Organen die Spielregeln bestimmt.
Michael Emmrich

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Gong – Kritik: Ein übler Versicherungstrick

Gong November 1992

Plus und Minus

Ein Versicherungstrick

+ Erneut ein journalistisch starker Beitrag in der WDR-Reihe „Gesucht wird.“ Silvia Matthies deckte auf, wie schäbig sich Versicherungen verhalten, wenn es darum geht, Opfer von Medikamenten-Nebenwirkungen zu entschädigen.

Eine Kopie der Kritik, wie sie in der Zeitung erschienen ist, liegt vor und kann gerne per E-Mail bei Silvia Matthies angefordert werden.

Passauer Neue Presse – Kritik: Ein übler Versicherungstrick

Passauer Neue Presse 10.10.1992

Spannende Reportage

Kranke werden durch falsche Medikamente kaputt kuriert. Wenigstens finanzielle Entschädigung sollte selbstverständlich sein. Nicht aber für den Arzneimittel-Hersteller. Schon gar nicht für den stinkfeinen Gerling/Versicherungskonzern. Geschädigte werden ausgetrickst, eingeschüchtert, lächerlich gemacht. Und der Staat scheint’s, steht Schmiere, wenn man Silvia Matthies Film mit dem (ungelenken) Titel: „Gesucht wird…ein Versicherungstrick“ glauben darf. Man darf wohl. Und kann kaum fassen, was da an Fakten ausgebreitet wurde, kühl, klar, pointiert, nicht frei von Emotionen, doch ohne reißerisch aufgesetzte Polemik, spannend durchweg. Und wer sagt da noch, es gäbe keine wirklich guten Krimis mehr? (ARD, Do 20.15 Uhr)
P.B.

Eine Kopie der Kritik, wie sie in der Zeitung erschienen ist, liegt vor und kann gerne per E-Mail bei Silvia Matthies angefordert werden.

Süddeutsche Zeitung – Kritik: Ein übler Versicherungstrick

Süddeutsche Zeitung 10.10.1992

Zynischer Handel

Gesucht wird……… ein Versicherungstrick (ARD/WDR) Schlimmer kann es kaum noch kommen. Da führt ein Rinderhirnpräparat bei etlichen Patienten wenn nicht zum Tode, so doch zu schweren Lähmungen und wird daraufhin wegen „schwerer Nebenwirkungen“ auch vom Markt genommen. Und was geschieht wohl, sobald es um Entschädigungen geht? Mit den Opfern (sofern sie noch leben) und mit deren Angehörigen wird seitens der Versicherung ein zynischer Handel getrieben. Zunächst sind es schäbige 25.000 Mark, dann wird noch einmal genauso viel draufgelegt und erst, wenn der Versicherung gar nichts mehr übrig bleibt, können`s 675.000 Mark sein. Immer vorausgesetzt, die ohnehin in ihrer Existenz meist ruinierten Opfer sind nicht vorher schon weich geklopft worden – mittels arglistiger Täuschung, Verzögerungstaktik oder gar Erpressung. Von der Bundesaufsichtsbehörde und vom Bundesgesundheitsamt ist diesbezüglich auch keine Hilfe zu erwarten, hier hält man harte, das heißt gerichtsverwertbare Fakten im Zweifel lieber zurück – zum Nachteil der Patienten und zum Nutzen der Versicherung. Silvia Matthies hat das alles gründlich recherchiert und genauestens zur Skandalchronik gereiht, am Beispiel immer neuer Einzelfälle, die offenbar Methode haben. Randvoll ist ihre Reportage mit Ungeheuerlichkeiten, die dem Gesetzgeber eigentlich in den Ohren klingen müssten. Bis zur letzten Sekunde schöpfte sie die Zeit aus und kam am Ende fast außer Atem dabei. Was die Autorin von den doppelt und dreifach Geschädigten erfuhr und mit Hintergrundfakten untermauerte, war wahrscheinlich auch für die Versicherungsmanager so peinlich, dass sie es vorzogen, trotz Interview-Zusage einfach die Schotten dicht zu machen: keine Stellungnahme! Dafür ließen sie bei Vorgesprächen mit der Autorin schon mal heimlich das Tonband mitlaufen, um so noch besser einzuschätzen, wie weit sie gehen können in den betreffenden Fällen.
Roland Timm

 

Süddeutsche Zeitung 08.10.1992 (Ankündigung)

Akten, die wie geheimdienstliche Papiere behandelt werden
Eine Reportage über den Umgang von Versicherungen mit Geschädigten

20.15 ARD Jährlich werden bei uns zahlreiche Medikamente vom Markt gezogen, weil es im Zusammenhang mit der Einnahme zu massiven Schädigungen kam. Aber das heißt noch lange nicht, dass die Betroffenen mit einer angemessenen Entschädigung rechnen können. Wie es Pharmafirmen und ihren Versicherungen immer wieder gelingt, Zahlungen entweder ganz zu verweigern oder auf ein Minimum zu reduzieren, ist das Thema von Silvia Matthies` Reportage „Gesucht wird…. ein Versicherungstrick“.
Die Autorin beschreibt unter anderem den Fall eines freiberuflichen Architekten, bei dem es nach der Einnahme eines Rinderhirnpräparates der Firma Madaus zu Lähmungen kam. Zwei Wochen nach der Behandlung wird das Medikament vom Markt genommen , dennoch kann die Versicherung des Pharmaunternehmens, der Gerlingkonzern, den gesundheitlich schwer geschädigten glauben machen, es handele sich um einen Einzelfall, zwei weitere „sogenannte Geschädigte“ seien mangels Beweisen bereits von ihren Forderungen zurückgetreten. Nach einer Zahlung von DM 70.000 durch Gerling tritt der Architekt alle weiteren Ansprüche ab.  Erst gut ein Jahr später erfährt er in einem Beitrag der Reihe „Bilder aus der Wissenschaft“, den ebenfalls Silvia Matthies verantwortete, dass es durch das Präparat zu lebensbedrohlichen Lähmungen kam.
Geschehen konnte das nur, sagt die Autorin, weil bei uns die Industrie nicht dazu verpflichtet ist, die Geschädigten zu unterrichten. Auch vom Bundesgesundheitsamt könnten die Geschädigten nur wenig Hilfe erwarten. Die Pharmaindustrie muss zwar jeden Fall dem Bundesgesundheitsamt melden, den Betroffenen gebe die Behörde allerdings höchst vage Auskünfte. „Die Geschädigten erfahren noch nicht einmal, dass sie vom BGA begutachtet wurden“, moniert die Reporterin, „ mit Hinblick auf den Datenschutz werden die Akten wie geheimdienstliche Papiere gehandelt.“
Eine reelle Chance, ihre Ansprüche wirksam  geltend zu machen, hätten die Geschädigten nur, wenn sie sich zusammenschließen könnten. Aber genau das verhindere die mangelnde Aufklärung durch das Bundesgesundheitsamt. Denn der Durchschnittsbürger habe keine Möglichkeit, an Informationen zu kommen, auch die behandelnden Ärzte hielten sich eher bedeckt.
„An dieser Praxis muss sich dringend etwas ändern“, fordert Matthies. In den USA und Schweden  beispielsweise erhalten die Betroffenen  alle verfügbaren Daten. Weil bei uns die Pharmafirmen und ihre Versicherungen so schonend behandelt werden, zahlt die Zeche letztendlich der Bürger – über die Solidargemeinschaft der Krankenkassen. Der Fall eines schwer gelähmten Mannes, den sie in ihrem Film erwähnt, hat die Kassen bisher 900.000 Mark gekostet. Angesichts der Kostenexplosion im Gesundheitswesen ist es mehr als fraglich, ob sich die Solidargemeinschaft der Versicherten diese Praxis weiterhin leisten kann.
 Bärbel Holzberg

Eine Kopie der Kritik, wie sie in der Zeitung erschienen ist, liegt vor und kann gerne per E-Mail bei Silvia Matthies angefordert werden.

Südkurier Konstanz – Kritik: Das verleugnete Gift

Südkurier Konstanz, 13.03.1992

Grauzone

Zündstoff (ZDF) Das verleugnete Gift: Das Thema gefährliche Chemikalien im Alltag (insbesondere Arbeitsalltag) gehört auch heute noch eher zu den Grauzonen ökologischen Problembewusstseins. Was Silvia Matthies in der neuen Sendung der Reihe „Zündstoff“ zu berichten wusste, spottete jeder Beschreibung. Textilien werden bei der Herstellung mit hochgiftigen Substanzen präpariert, eine Deklarationspflicht gibt es nicht.  Arbeiter einer baden-württembergischen Firma erkranken reihenweise – mögliche Ursache: ein bei der Produktion verwendetes Kühlmittel. Ärztliche Sachverständige kommen zu sich gegenseitig widersprechenden  gutachten, beim Bundesgesundheitsamt hat man keine Ahnung, wovon die Rede ist. Kühl und sachlich die Fakten für sich sprechen, gab Stellungnahmen der Betroffenen breiten Raum , schilderte ihren Kampf  um Anerkennung ihrer Leiden als Berufskrankheit.
Ein Musterbeispiel dafür, wie eine Reportage Aufmerksamkeit und Empörung wachrufen kann ohne effekthascherich auf die Sensationsgier der Zuschauer zu spekulieren. Eine Sendung, die ganz sicher nicht ins Spätprogramm gehört, sondern zur besten Sendezeit hätte ausgestrahlt werden müssen.
Norbert Faulhaber                  

 

Eine Kopie der Kritik, wie sie in der Zeitung erschienen ist, liegt vor und kann gerne per E-Mail bei Silvia Matthies angefordert werden.

Kölner Stadtanzeiger – Kritik: Das verleugnete Gift

Kölner Stadtanzeiger 13.03.1992
Beklemmend
„Zündstoff“ (ZDF)

Es begann mit ebenso ekel- wie rätselhaften offenen Stellen auf der Zunge, Abmagerung, Erschöpfungs- und Verwirrtheitszustände folgten. Seit Jahren kämpft die Münchnerin Christel Brem, die durch ihre Tätigkeit in der Textilbranche mit der hochgiftigen Chemikalie Lindan in Berührung kam, um die Anerkennung ihres Leidens als Berufskrankheit.
Doch die Berufsgenossenschaft zahlt ihr keine Rente, weil das zuständige Arbeitsmedizinische Institut die tatsächliche Belastung auf ein Tausendstel herunterspielte. Dieser wahrhaft skandalöse Fall stand im Mittelpunkt von Silvia Matthies‚ Reportage
„Das verleugnete Gift“ , die auf empörende Zustände im Bereich der Arbeitsmedizin aufmerksam machte.
In einem bemerkenswerten Gespräch der Autorin mit Prof. Günther Fruhmann, dem Leiter des Münchner Institutes, wurde auf beklemmende Weise greifbar, zu welchen Wirklichkeitsverzerrungen die Profession offenbar bereit ist, um Präzedenzfälle dieser Art zu verhindern. Während Fruhmann sich als abwicklerischer Lobbyist zeigte und von einem Kunstfehler nichts wissen wollte, bewährte Matthies sich als energisch nachhakende Journalistin.
Der Reihe „Zündstoff“ wurde dieser Beitrag voll gerecht.  Da sich das „Gesundheitsmagazin Praxis“ zuvor ebenfalls dem Thema „Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz“ widmete, lieferte das ZDF kompakte Information.
Norbert Hummelt

Eine Kopie der Kritik, wie sie in der Zeitung erschienen ist, liegt vor und kann gerne per E-Mail bei Silvia Matthies angefordert werden.

Mannheimer Morgen – Kritik: Das verleugnete Gift

Mannheimer Morgen 13.03.1992

„Zündstoff“ (ZDF)
Ärzte drehen, wenden und widersprechen sich, medizinische Institute kommen  zu verschiedenen Ergebnissen und die Behörden dementieren. Wie immer,  könnte man sagen, wenn versucht wird, Schlamperei, Ignoranz und Vertuschung mit Einzelschicksalen zu dokumentieren. So auch im Falle von Silvia Matthies „Zündstoff“-Beitrag „Das verleugnete Gift- wie Chemikalienopfer getäuscht werden“.
Drei Personen hat die rigoros zu Werke gehende Autorin ausfindig gemacht, die durch giftige Substanzen  verseucht wurden und erkrankten. Eine Ursache: Der Kontakt mit chemisch behandelten Textilien. Doch bis die Bundesanstalt für Arbeit und die eingeschalteten Ärzte eine Berufskrankheit anerkennen, vergehen Jahre. Da ist es zwar  sehr löblich, dass die Reportage den verantwortlichen auf die Füße tritt und die Pannen offensichtlich macht, aber es bleibt- wie so oft beim Skandaljournalismus-  der fatale Nachgeschmack mangelnder Beweiskraft. Das merkte wohl auch Matthies selbst. Sie suchte jedoch keine Ausflüchte, indem sie auf die Tränendrüse drückte: Information auf Information, intensiviert durch gute filmische Handarbeit, war die richtige Antwort.
ts

Eine Kopie der Kritik, wie sie in der Zeitung erschienen ist, liegt vor und kann gerne per E-Mail bei Silvia Matthies angefordert werden.

Offenbach Post – Kritik: Das verleugnete Gift

Offenbach Post 13.03.1992

Von Kunstfehlern  keine Rede
Mutiger Zündstoff-Beitrag im ZDF: Das verleugnete Gift

Die Verantwortlichen entlarven sich selbst: Mal wollen sie kein Interview geben, dann retten sie sich in Ausflüchte am Telefon,  und Prof. Fruhmann, Leiter des Münchner Institutes für Arbeitsmedizin, ergeht sich in Allgemeinplätzen.
TV-Kritik
Erst als das Wort „Kunstfehler“ fällt, horcht der Professor auf, sein mund wird spitz, die Augen stechen, als er der ZDF-Autorin Silvia Matthies erklärt, davon könne keine Rede sein.
Die Patientin Christine Brem litt unter schweren Krankheitszuständen. Sie wandte sich an die Arbeitsmedizin, nachdem ihr ein Umweltinstitut attestiert hatte, dass ihr Blut stark belastet ist: mit dem seit Jahren in der Bundesrepublik verbotenen Insektizid Lindan. Frau Brem besaß ein Konfektionsgeschäft. Und Stoffe, die aus Dritt-Welt-Ländern importiert werden, sind häufig zum Schutz gegen Motten mit Lindan präpariert.
Im Münchner Arbeitsmedizinischen Institut wurde Frau Brem untersucht. Erst nach eindringlicher Nachfrage teilte man ihr die Laborwerte mit. Dass dabei Nanogramm als Maßeinheit angegeben wurden, während es sich tatsächlich um Microgramm handelte – also die tausendfache Menge – sei für die Diagnose unerheblich, meine Institutsleiter Fruhmann. Man bemühe sich in erster Linie um den Patienten, und da seien Werte nicht so wichtig.
Eine seltsame Einstellung für einen Arbeitsmediziner, dessen gutachterliche Tätigkeit normalerweise hauptsächlich auf Laborwerte zurückgreift. Und, wie die kluge und mutige Autorin des Zündstoff-Beitrages am Mittwochabend nachweist,  doch nur exemplarisch für das Verhalten vieler Arbeitsmediziner. Denn: ein Gutachten kann folgen haben. Zum Beispiel die Anerkennung  einer Berufskrankheit und damit einer Rente. Doch das scheint politisch nicht opportun – und in politischen Gremien sitzen sie, die Gutachter. Auch Herr Prof. Fruhmann.
Brigitte Mazanec

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Ärzte-Zeitung – TV-Kritik: Auf eigenes Risiko

Ärzte-Zeitung 17.5.90

TV-Kritik/ZDF-Reportage „Auf eigenes Risiko“

Über die schädlichen Praktiken bei Arzneimittelversuchen an ahnungslosen Menschen berichtete Silvia Matthies in ihrer filmischen Reportage am Dienstagabend (ZDF). Vorrangig am Beispiel einer leidvoll geprüften Patientin wurde das offensichtlich verantwortungslose Handeln einer Ärztin dokumentiert und von der Filmemacherin als Weißkittel-Kriminalität angeprangert. Ein schwerwiegender Vorwurf, der auch durch die schleppende Ermittlung der Staatsanwaltschaft nicht entkräftet wurde, obwohl die zuständige Ermittlungsbehörde ihre Untersuchung schließlich einstellte.

Engagiert aber sauber recherchiert versuchte die Reporterin die Geschichte der 57jährigen Anna Schletzbaum aufzuhellen, die ein in der Erprobung befindliches Antireuhmatikum verordnet bekam, aber weder über mögliche Nebenwirkungen aufgeklärt wurde noch gar eine Einverständniserklärung unterschreiben musste. Viel zu spät wurde „das grausame Medikament“ (O-Ton Schletzbaum) abgesetzt, und die Patienten musste mit einem akuten Leberversagen ins Klinikum Großhadern eingeliefert werden, wo schließlich eine Lebertransplantation vorgenommen werden musste. Ein Jahr lang wurde sie künstlich beatmet, heute ist die Patientin an den Rollstuhl gefesselt.

Wer trägt die Schuld? Die Verdachtsmomente gegen die Ärztin, die zu keiner Stellungnahme bereit war, sind gravierend. Ohne strenge Überwachung und ohne gründliche Aufklärung verabreichte sie ein Prüfpräparat, das schließlich vom Hersteller wegen Leberschädigungen zurückgezogen wurde. Handelte die Ärztin fahrlässig? Aus Willfährigkeit gegenüber dem mit der Arzneimittelprüfung beauftragten Institut oder gar aus Geldgier- für 17 Patienten erhielt sie ein Prüfhonorar von 34.000 DM?

Trotz aller vorangegangenen Tests an Tieren, kranken und gesunden Probanden zeigen sich seltene und oft schwerwiegende Nebenwirkungen erst bei einer genügend hohen Fallzahl. Umso wichtiger, dass in dieser Prüfphase so gewissenhaft und vorsichtig wie möglich vorgegangen wird. Hier sind besonders die beteiligten Prüfärzte gefordert. Schwarze Schafe gibt es überall, wie auch in einem weiteren Fall belegt wurde. Diese müssen schonungslos aufgespürt werden, bevor Patienten unwiderruflich schaden erleiden, besonders bevor die Ärzteschaft und die Pharmaindustrie zu Unrecht in Misskredit geraten.
Dieter Eschenbach

Eine Kopie der Kritik, wie sie in der Zeitung erschienen ist, liegt vor und kann gerne per E-Mail bei Silvia Matthies angefordert werden.

Hamburger Abendblatt – Kritik: Auf eigenes Risiko

Hamburger Abendblatt 16.5.90

Auf eigenes Risiko

Sie reden von Gesundheit, aber meinen Geldgier und Gaunereien auf kosten wehrloser Menschen. Korrupte Mediziner, käufliche Halbgötter in Weiß, die im Sold der Pharmaindustrie unerforschte Medikamente an ahnungslosen Patienten testen. Die couragierte ZDF-Reporterin Silvia Matthies fand das richtige Wort für diese Scharlatane: „Weiße-Kittel-Kriminelle“. Mit gnadenlosen Recherchen kam sie ihren Machenschaften auf die Spur: interviewte Staatsanwälte, die sich feige hinter Paragraphen verschanzen, traf aber auch Ärzte, die aus Empörung über ihre Kollegen zu Detektiven werden. Und portraitierte bemitleidenswerte Opfer. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen zeigte sich von seiner besten, seiner journalistischsten Seite.
Carsten Krumfuss

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Kieler Nachrichten – Kritik: Auf eigenes Risiko

Kieler Nachrichten 17.5.1990

Gute Besserung

 „Wir haben da etwas Gutes Neues. Das hilft Ihnen bestimmt“ - mit solchen Floskeln gelingt es manchen Ärzten immer wieder, Patienten für die Einnahme eines Versuchspräparates zu gewinnen. Ahnungslos und auf eigenes Risiko schluckt der Kranke die vermeintliche Wunderpille – und erlebt manchmal sein blaues Wunder. Die ZDF-Reportage „Auf eigenes Risiko“ von Silvia Matthies zeigte zwei haarsträubende Fälle, zeigte die Skrupellosigkeit der Ärzte, die Sorglosigkeit der Pharmaunternehmen und die Gleichgültigkeit der Staatsanwälte.

Da wird eine rheumakranke Frau fast zu Tode geheilt, liegt eineinhalb Jahre auf der Intensivstation, erleidet unendliche Schmerzen und endet nach einer Lebertransplantation halbgelähmt im Rollstuhl. Und der Herr Oberstaatsanwalt sieht keinen Grund zum eingreifen….?

Oder der Assistenzarzt, der seinen Chef verpfeift, weil der ahnungslose alte Menschen für Versuchszwecke missbraucht, um das dicke Geld einzustreichen – 2000 bis 5000 Mark pro Testperson! Da entblödet sich der Staatsanwalt nicht, dem Assi auch noch Neid vorzuwerfen. Während sich der Halbgott in Weiß, dem es eigentlich einmal unter die Schürze zu schauen gelte, unbehelligt ins Ausland absetzen kann.

Man hätte am liebsten losbrüllen mögen bei diesem Film. Dem Tier wird das Opfer „zugunsten der Medizin“ mit Gewalt abverlangt, dem Menschen mit List und Tücke. Gute Besserung Pillenindustrie.
Michael Görmann

Eine Kopie der Kritik, wie sie in der Zeitung erschienen ist, liegt vor und kann gerne per E-Mail bei Silvia Matthies angefordert werden.

Lübecker Nachrichten – Kritik: Auf eigenes Risiko

Lübecker Nachrichten 17.5.1990

Gründlich recherchiert

„Auf eigenes Risiko“ (ZDF):

Nach der Reportage von Silvia Matthies wird sich mancher Zuschauer wohl gefragt haben, wie ernst Politiker es meinen, wenn sie vom Rechtsstaat sprechen. Die Autorin dieser gründlich recherchierten und journalistisch hervorragend gestalteten Sendung jedenfalls wurde mit Fakten konfrontiert, die zuerst ihr und dann den Zuschauern die Zornesröte ins Gesicht treiben mußten. Da bleibt doch eine Ärztin von der Justiz unbehelligt, obwohl sie eine Patientin fahrlässig und unzweifelhaft aus Profitgier durch die Verabreichung eines noch nicht zugelassenen Rheuma-Präparates gesundheitlich so schwer geschädigt hat, dass diese nach einer Lebertransplantation an den Rollstuhl gefesselt ist.
Thomas Helling

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Rheinpfalz Ludwigshafen – Fernsehen kritisch: Auf eigenes Risiko

Rheinpfalz Ludwigshafen 17.5.90

Fernsehen kritisch

Skandalös

„Auf eigenes Risiko“ (ZDF): Versuche mit Arzneimitteln stehen schon länger im gesellschaftspolitischen Zwielicht. Doch was die engagierte Journalistin Silvia Matthies in der ZDF-Reportage ans Tageslicht brachte, ist nur noch als skandalös zu bezeichnen. Mit schon beneidenswerter Sicherheit fand sie die Löcher und dunklen Stellen in einer korrupten Forschungspraxis und laschen Rechtsprechung. Verantwortungslose Ärzte verabreichen unwissenden Patienten -gegen entsprechend hohes Entgelt der pharmazeutischen Industrie- Medikamente, die zu Testzwecken eingesetzt werden. Die Krankheitsfälle, die Silvia Matthies vorstellte, endeten tragisch: Ein Patient starb, eine Patientin musste sich nach der Einnahme eines Präparates gegen Rheuma einer Lebertransplantation unterziehen und leidet seither an schwersten gesundheitlichen Schädigungen und unerträglichen Schmerzen.

Zu genau ist die Recherche von Silvia Matthies, zu undurchsichtig und peinlich sind die Antworten der betroffenen Ärzte, Staatsanwälte und Industrievertreter, als das man die bedrückenden Erkenntnisse ihrer Reportage nicht ernst nehmen könnte. Von Arzneimittelversuchen, die ambulant durchgeführt werden, ist nur abzuraten, weil sie unseriös sein können. Hinter dem harmlosen Wörtchen unseriös steht im Ernstfall Lebensgefahr. Versuchskaninchen sind in erster Linie Alte und Unwissende, die für ihre Gutgläubigkeit teuer bezahlen müssen. Man kann der unerschrockenen Autorin des überaus informativen Berichtes nur beipflichten, dass schnellstens ein entsprechend hartes Gesetz verabschiedet werden muss, das geldgierigen Kurpfuschern ihr kriminelles Handwerk legt.
Thomas Schneider

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Badische Neueste Nachrichten – Kritik: Auf eigenes Risiko

Badische Neueste Nachrichten 17.5.90

Schwarze Schafe in Weiß

„Auf eigenes Risiko“ (Di., ZDF): Patientenbriefe werden gefälscht, eine Frau gelangt durch ärztliche Hilfe an den Rand des Todes, Ärzte gieren nach Geld und alten Leuten als Versuchskaninchen, Staatsanwälte betragen sich wie in einem Mafiaroman – das alles hätte ein knallharter Vorstadtkrimi werden können, wären nicht die Beteiligten echt gewesen. Silvia Matthies‚ Reportage über das Unwesen von Arzneimittelprüfärzten musste sich zwei Vorwürfe machen lassen: Die Pharmakonzerne hielten ihr vor, Einzelfälle hochzustilisieren, die Staatsanwälte verbaten sich, Verbrechen zu vermuten, wo sie keine gefunden hatten.

Hervorragend, dass sich Silvia Matthies nicht einschüchtern ließ, denn so deckte sie auf, wie Anwälte die weißbekittelte Zunft mit Samthandschuhen anfassten, weil die Herrschaften nicht ins übliche Täterbild passen wollten. Für die kranken Betroffenen, die in blindem Vertrauen zum Arzt unbekannte Medikamente schluckten, ohne zu mucksen, kommt jede Hilfe zu spät. Die geldgierigen schwarzen Schafe schaden ihren Kollegen, denn nach dieser Reportage wird sich ein Mensch mit gesundem Misstrauen in der Praxis kein Medikament mehr schenken lassen. Dass aber auch die freigegebenen Medikamente in den Apotheken, vielleicht auf Grund gefälschter Tests, als unbedenklich eingestuft werden, sollte die Konzerne anspornen, ihr Testsystem überwachen zu lassen. Ärzte, Gesetzgeber und Pharmafirmen sind gleichermaßen gefordert. Uns Patienten bleibt nur die Vorsicht und die Einsicht, dass in weißen Kitteln keine Götter stecken.
PvC

Eine Kopie der Kritik, wie sie in der Zeitung erschienen ist, liegt vor und kann gerne per E-Mail bei Silvia Matthies angefordert werden.

Hörzu – Kritik: Auf eigenes Risiko

Hörzu Mai 1990

Plus+Minus

 Auf eigenes Risiko

+ Silvia Matthies entdeckte unter weißen Kitteln schmutziges Tun:

korrupte Ärzte testen neue Medikamente mit riskanten Folgen für

die Opfer. Das Dunkel, in das die Scharlatane abtauchen, hellte sie

mit einer blendenden Reportage auf. (ZDF)
C.K.

Sieger der Woche: ZDF 20.15 Eigenes Risiko (Arznei-Tests) 3,62 Millionen Zuschauer

Eine Kopie der Kritik, wie sie in der Zeitung erschienen ist, liegt vor und kann gerne per E-Mail bei Silvia Matthies angefordert werden.